Auswahl geförderter Projekte
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Der Historiker Marcel Golczyk erstellte im Jahr 2024 Auftrag der Gedenkstätte Wehnen eine Datenbank mit den Namen und biographischen Daten von Opfern von Medizinverbrechen im Land Oldenburg während des Nationalsozialismus. Nach dem „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ vom 14. Juli 1933 wurden allein im Land Oldenburg ca. 2.600 Personen zwangssterilisiert. Im Laufe der letzten 15 Jahre wurden in den Gesundheitsämtern Delmenhorst, Jever, Westerstede und Brake sowie in Archiven der Städte Oldenburg und Wilhelmshaven zahlreiche verloren geglaubte Verfahrensakten wiederentdeckt. Neben den Krankenakten der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen bilden diese die Grundlage für die erwähnte Datenbank. Das Ergebnis ist eine Aufstellung von 2.488 Datensätzen zu Erbgesundheitsverfahren. Diese bildet eine wichtige Quellengrundlage für die geplante neue Dauerausstellung in der Gedenkstätte Wehnen.
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Im September 2024 fand erstmalig ein dreitägiges Treffen von Angehörigen ehemaliger Häftlinge und Gefangener der Emslandlager in Papenburg statt, wo sich die neuen Räumlichkeiten des Dokumentations- und Informationszentrums (DIZ) Emslandlager befinden. Bereits zwischen 1989 und 2007 hatte das DIZ mehrere Begegnungen von ehemaligen Häftlingen und Gefangenen sowie ihrer Angehörigen veranstaltet. Das Treffen im vergangenen Jahr schlug den Bogen zu den nachfolgenden Generationen: Mehr als 40 Kinder, Enkel*innen und Urenkel*innen der ‚Moorsoldaten‘ aus dem In- und Ausland folgten dem Ruf nach Papenburg. Das umfangreiche Programm mit inhaltlichen Vorträgen, Filmvorführungen und Workshops bot auch viel Raum zum Kennenlernen und für persönlichen Austausch. Bei einer Exkursion lernten viele Teilnehmende erstmalig einige der ehemaligen Lagerstandorte kennen.
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Am 25. Mai 2024 konnte die Gedenkstätte Engerhafe in Ostfriesland das rundum renovierte alte Pfarrhaus feierlich beziehen und die neue Dauerausstellung „Zwangsarbeit für die Wehrmacht“ der Öffentlichkeit präsentieren. Die Kirchengemeinde Engerhafe und die KZ-Gedenkstätte Engerhafe befinden sich dort unter einem Dach. Beide verbindet das Anliegen, an das frühere „KZ im Pfarrgarten“ zu erinnern, das 1944 als Außenlager des KZ Neuengamme errichtet wurde. Über 2.000 KZ-Häftlinge wurden in Aurich eingesetzt, um Panzergräben für den „Friesenwall“ auszuheben. 188 Häftlinge starben in den 2 Monaten, die das Lager existierte. Die neue Dauerausstellung stellt die Berichte von Zeit- und Augenzeug*innen in den Fokus und bettet die Geschichte des KZ Engerhafe zugleich auch in den Komplex der Zwangsarbeit in Ostfriesland ein. Seit der Eröffnung erfreut sich die Gedenkstätte einem großen Andrang von Besuchern und Besucherinnen.
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Am 7. Dezember 2024 eröffnete die Gedenkstätte Sandbostel die Ausstellung „trotzdem da! – Kinder aus verbotenen Beziehungen zwischen Deutschen und Kriegsgefangenen oder Zwangsarbeiter*innen“, die sich diesem wissenschaftlich kaum erforschten und in der Erinnerungskultur bislang wenig präsenten Thema widmet. Gefördert haben wir die Eröffnungsveranstaltung sowie den 2025 erschienenen Katalog und Begleitband zur Ausstellung.
Mehr als 20 Kinder aus verbotenen Beziehungen aus Deutschland, Österreich und den Niederlanden konnten ausfindig gemacht und für das Projekt „trotzdem da!“ gewonnen werden. Zwei Treffen in der Gedenkstätte Lager Sandbostel waren für viele die ersten Begegnungen mit Menschen, die eine ähnliche Biografie haben wie sie. Für einige war es auch das erste Mal, dass sie mit Fremden über ihre Geschichte sprachen. Mit ihren Erinnerungen, Dokumenten und Fotos haben die Teilnehmer*innen die entscheidende Grundlage zur Verwirklichung der Ausstellung gelegt.
Die Ausstellung war bis zum 14. März 2025 in der Gedenkstätte Sandbostel zu sehen und wird seitdem als Wanderausstellung an verschiedenen Orten gezeigt. Bis Ende 2027 ist die Wanderausstellung “trotzdem da!” bereits ausgebucht (Stand 12/2025). Die Nachfrage zeigt, dass offensichtlich ein Thema aufgegriffen wurde, welches die Öffentlichkeit stark interessiert.
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Die Synagoge in Jever wurde 1880 erbaut, 1938 während des Novemberpogroms zerstört und bald darauf abgerissen. Heute zeugt eine Ausstellung im GröschlerHaus, das auf den Fundamenten der Synagoge gebaut wurde, von der jüdischen Geschichte Jevers. Vom Innenraum der Synagoge von Jever existieren nur zwei Fotos, auf denen ausschließlich Trümmer nach der Zerstörung im Jahr 1938 zu sehen sind. Mit Unterstützung u.a. der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten wurde im Jahr 2023 von der Firma Reunion Media (Norden) eine virtuelle Rekonstruktion der Synagoge erstellt. Sie präsentiert das jüdische Gotteshaus in 3D-Visualisierung mittels VR-Brille und auf einem Monitor in 2D.
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Der Trägerverein der ehemaligen Synagoge Stadthagen hat gemeinsam mit dem Ratsgymnasium Stadthagen und dem Lyceum in Slupca (Polen) das Musiktheaterstück „Haltestelle Izbica“ entwickelt. Das Stück basiert auf der Geschichte von Danka Rozenthal, einem jüdischen Mädchen aus Slupca, und ihrer katholischen Freundin Grazyna Hamacinska. Beide haben sich über die deutsche Besatzung in Briefen und Tagebuchaufzeichnungen ausgetauscht, von denen einige im Regionalmuseum von Slupca aufbewahrt werden. Schließlich wurde Danka Rozenthal in das Durchgangslager Izbica deportiert – dort verliert sich Ihre Spur. In dem Theaterstück wurde vor dem Hintergrund exemplarischer Szenen zur Verfolgungsgeschichte während der NS-Zeit das Schicksal von Danka Rozenthal in theaterdidaktische Formen aufbereitet und durch eine eigens komponierte Musik begleitet. Aufführungen fanden in Slupca und in Stadthagen statt.
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Mit dem Günter Frank Haus entstand in Neuenhaus ein neues Erinnerungs- und Begegnungszentrum sowie ein außerschulischer Lernort. Das dafür ausgewählte denkmalgeschützte Haus wurde umfangreich saniert und am 22. September 2024 feierlich eröffnet. Die Dauerausstellung ermöglicht einen methodisch breit gefächerten, interaktiven Zugang zur Geschichte jüdischen Lebens und der NS-Geschichte vor Ort. Auf Grundlage des historischen Rückblicks wird in Neuenhaus so eine zeitgemäße Auseinandersetzung – gerade auch von jungen Menschen – mit den Themen Verfolgung und Ermordung der Jüdinnen und Juden, Kriegsschuld und Widerstand, Flucht und Migration, Antisemitismus, Fremdenhass und Rassismus möglich.