• Themen: Aufruf
  • Datum: 06.11.2025

Call for Papers zur Tagung: Die NS-Gesellschaft als „Volksgemeinschaft“? Inszenierungen, soziale Praxis und Handlungsspielräume

Die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten und der Dokumentations- und Lernort Bückeberg laden zur Einreichung von Beiträgen für eine Tagung vom 18. bis 20. Juni 2026 ein, die in Kooperation mit dem Institut für Didaktik der Demokratie der Universität Hannover veranstaltet wird. Der Tagungsort ist Hameln.

Die Tagung untersucht die NS-Gesellschaft und beleuchtet Prozesse, die hinter dem ideologisch aufgeladenen Begriff der „Volksgemeinschaft“ standen. Obwohl dieser Begriff selbst unscharf blieb, wurde er als Utopie einer idealen Gesellschaft propagiert. Das NS-Regime versuchte, diese Utopie durch die propagandistische und gewaltförmige Einbindung aller Gesellschaftsgruppen, durch die Gleichschaltung der Medien sowie durch politische und wirtschaftliche Maßnahmen umzusetzen. Zugleich führte dies zu einer sich stetig radikalisierenden Ausgrenzung all jener, die nicht zur imaginierten Gemeinschaft gehörten.

Das Themenfeld war in den vergangenen zwei Jahrzehnten Gegenstand intensiver Forschung. Die Tagung möchte die mit dem Begriff der „Volksgemeinschaft“ verbundenen Debatten in der Rückschau einordnen und zum Anlass nehmen, eine kritische Bestandsaufnahme neuerer Forschung zur Gesellschaftsgeschichte des Nationalsozialismus vorzunehmen. Daraus sollen zugleich Perspektiven für die historisch-politische Bildung entwickelt werden.

In ganz Deutschland und nicht zuletzt im Gebiet des heutigen Niedersachsen entstanden zahlreiche Räume oder Schauplätze der propagandistischen Inszenierung der „Volksgemeinschaft“. Bestehende historische Orte und regionale Narrative wurden ideologisch überformt. Anhand konkreter Beispiele sollen auf der Tagung propagandistische Inszenierungen des NS-Regimes dekonstruiert und das Spektrum möglicher Verhaltensweisen der lokalen Bevölkerung zwischen Zustimmung, Mitmachen, Distanzierung und Verweigerung aufgezeigt werden. Dadurch werden Handlungsspielräume von Individuen und Gruppen, von Einrichtungen und Organisationen sichtbar, die den Alltag im nationalsozialistischen Deutschland prägten.

Gesucht werden Beiträge, die neuere Forschungen zu konkreten Aspekten „volksgemeinschaftlicher“ (Selbst-)Mobilisierung oder zu Formen von Zustimmung, Teilhabe und Abgrenzung innerhalb der NS-Gesellschaft vorstellen. Ebenso willkommen sind Gegenbeispiele, die Praktiken der Distanzierung, Verweigerung oder individuellen Handlungsspielräume beleuchten, sowie Projekte der historisch-politischen Bildung, die solche Dynamiken für heutige Lernkontexte erfahrbar machen. Wir freuen uns über Beiträge aus Niedersachsen oder zu Themen, die das heutige Gebiet Niedersachsens betreffen. Darüber hinaus sind auch Beiträge aus anderen Bundesländern willkommen.

Bitte senden Sie Titel, Kurzbiografie und Abstract (max. 200 Wörter) bis zum 31. Dezember 2025 an die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten (E-Mail: gfn@stiftung-ng.de)

Reise- und Übernachtungskosten für Referent*innen werden übernommen.

Für Vorträge stehen jeweils 25 Minuten zur Verfügung. Eine Publikation ausgewählter Tagungsbeiträge in der neuen Online-Zeitschrift der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten ist geplant. Überarbeitete Manuskripte (6.000–9.000 Wörter) bitten wir bis zum 15. Oktober 2026 einzureichen.
 

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